Dreiviertelpolsterkumt

Niedersächsisches Dreiviertelpolsterkumt

Wie der Name andeutet laufen hier die Polster nach unten aus statt bei der halben Höhe des Kummetholzes zu enden. Das Polster ist häufig einteilig, oder zumindest oben zusammengenäht; dadurch ist das Kumt wenig verstellbar. Ein Riemen zum Verschnallen oben ist selten vorgesehen, nur ein Sattler kann die meist verwendeten Näh-, bzw. Binderiemen ändern. Die Druckverteilung ist besser als beim Halbpolsterkumt allerdings sollten die Polster auch nicht zu weit nach unten reichen. Auch diese Ausführung ist nicht starr und schmiegt sich somit der Schulterbewegung an.

Das folgende Kumt wurde beim Restaurieren massiv verschlimmbessert: rote Farbe überall, sogar auf dem Leinen. Trotzdem kann man noch einiges von der Machart erkennen, z.B. wurde um dem Steigen dieser Kumte entgegenzuwirken der Zughaken nach unten versetzt. Die Polster sind nur außen aus Leder, innen wird Leinen verwendet; das spart zum einen teures Leder, verbessert aber auch die Atmungsaktivität des Polsters beim schwitzenden Zugtier.

Dreiviertelpolsterkumt nach Jäger

Der Sattlermeister Jäger hat die Polsterung das Anatomie des Rindes in so fern angepaßt, als das einteilige Kissen hinten höher und offen ist. Die Kumthölzer gehen nach 3/4 der Länge in Eisenstangen über, die unten durch ein Schloß verschließbar sind bei gleichzeitig möglicher Verstellbarkeit der Weite. Oben gewährt ein Schnallriemen eine gewisse Anpassung. Auffällig auch der Zughaken: mit einer großen, runden, löffelförmigen Auflagefläche auf dem Leder des Kissens und zusätzlich beweglich angeordnet verhindert er, daß der untere Polsterbereich nach außen weggedrückt wird und sich die Geschirrlage dadurch verschlechtert.

Dreiviertelpolsterkumt mit Eisenstangen

Die Eisenstangen ersetzen die Kummethölzer; sie sind idR. aus Flacheisen, selten Rundeisen. Oben sind die Stangen zwar gelenkig verbunden, können aber nicht verstellt werden. Unten verbindet sie eine Kette. Nähriemen befestigen die Polster an den Eisenstangen.

Dreiviertelpolsterkumt nach Hanke

Sattlermeister Hanke hat die aus Flacheisen gefertigten Kummetstangen oben über einen Quersteg verbunden; dieser hat verschiedene Löcher, die eine Anpassung in der Breite erlauben. Unten schließt die Stangen eine Kette, also auch hier eine gewisse Verstellmöglichkeit. Die Polster sind kleiner, fast wie bei einem Halbpolsterkumt.

Dreiviertelpolsterkumt nach Müller oder Knießer

Die Sattlermeister Müller und Knießer haben ein dem niedersächsischen Dreiviertelpolsterkumt ähnliches Geschirr geschaffen. Anders als dort sind die Eisenstangen hier im Polster integriert. Eine gelenkartige Verbindung der Stangen oben bedingt zwar eine gewisse Beweglichkeit bietet aber keine wirklichen Einstellungsvarianten. Unten ist eine Kette als Verschluß angebracht. Das Verrutschen der Polsterkissen auf die Seite soll durch Abhaltestege verhindert werden.